Längs durch den Alpstein in zwei Tagen

by Moritz

Der Alpstein ist spätestens mit dem Erscheinen vom National-Geographic-Buch «Places of a Lifetime» 2015 (ja, das Äscher-Bergrestaurant-Bild) ein Instagram-Mekka. Das Gute am Alpstein ist, dass er auf kleinem Raum sehr viel mehr bietet, als ein hübsch platziertes Bergbeizli. Und dieses Mal ging mein Weg von Süd nach Nord – mal abenteuerlich, mal entspannt – längs durch den Alpstein.

Wildhaus – Gamplüt – Schöferhütte – Mietplätz – Jöchli – Nädligergrat – Fliswand – Rotsteinpass

4 h 15 min, 5 km, 1 226 m ↑, 456 m ↓

Rotsteinpass – Lisengrat – Säntis – Himmelsleiterli – Blauschnee – Öhrligrueb – Lötzisälplisattel – Schäfler – Ebenalp – Wasserauen

4 h 45 min, 10,4 km, 760 m ↑, 1 290 m ↓

Erster Wandertag: Wildhaus → Rotsteinpass

Ich habe mir die ersten 300 Höhenmeter gespart und bin in der Seilbahn von Wildhaus nach Gamplüt hoch. Dafür habe ich mich mit einem Kaffee belohnt. Das sollte man auch tun, denn bis zum Rotsteinpass gibt es keine weitere Einkehrgelegenheit und der erste Tag ist auch ohne die 300 Höhenmeter happig genug. Bis zum höchsten Punk oberhalb der Fliswand macht man auf 4,5 Kilometer gleich mal 1 200 Höhenmeter. Es ist also steil und das für eine ziemlich lange Zeit. Der erste Teil geht über Wiesen hoch und bietet eine wunderbare Sicht auf die Churfirsten.

Eine erste Variante bietet sich auf knapp 2 200 m ü. M. an, da kann man den Wildhuser Schofberg besteigen oder – so wie ich – einfach eine Pause machen. Es ist auch der Punkt, an dem man sich vielleicht das Ganze nochmals überlegen sollte, denn ab hier beginnt dann auch der Alpinwanderweg. Und das habe ich gemacht, denn der Wetterbericht war etwas sehr optimistisch. Es war und blieb bewölkt, neblig und kalt, sehr kalt und das zerrte an meiner Motivation.

Nach der Pause ging es im Nebel über einige Schnee- und Geröllfelder hoch zum Jöchli. Beim Jöchli lohnt es sich nochmals eine Pause zu machen und wer möchte kann den Jöchliturm besteigen (habe ich zu Gunsten einer längeren Pause ausgelassen). Danach folgt der Nädligergrat, den man nicht auf dem Grat selbst (wäre auch sehr dumm und lebensgefährlich), sondern etwas unterhalb des Grates durchwandert. Beim Punkt 2334 kommt man wieder auf den normalen Bergwanderweg. Wenn man Steinböcke gerne hat, bietet sich hier ein Abstecher zum Altmannsattel an (ca. 10 Minuten). Dort sollen sie besonders gerne tun, was Steinböcke halt so tun. Habe ich ein anders Mal nachgeholt.

Der Abstieg zum Rotsteinpass ist nichts für schwache Nerven. Es geht steil die Fliswand hinab. Der Weg durch die Fliswand wurde 2008 zwar neu gemacht und ist nun mit Drahtseilen und Eisentritte gesichert, allerdings bleibt die Wand nun halt einfach eine Wand und wird nicht zum Feldweg deswegen. Es hat mich einige Überwindung und besonders viel Konzentration gekostet, da runter zu gehen. Wenn man bedenkt, dass viele Bergunfälle beim Abstieg passieren. Das wäre nun ein solcher Ort und Zeitpunkt gewesen.

[…] Der 29-Jährige wanderte zusammen mit einem Kollegen von Wildhaus über den Schafbergsattel, Jöchli und anschliessend über den Nädliger. Gemäss Aussagen seines Begleiters konnten sie im Bereich Fliswand Steinwild sichten. Diese dürften Steine ausgelöst haben und trafen anschliessend den Wanderer. Der im Kanton Zürich wohnhafte Deutsche stürzte rund 300 Höhenmeter ab und wurde dabei tödlich verletzt. […] Medienmitteilung der Kantonspolizei St. Gallen, 28. Mai 2017

Die Rotsteinpasshütte hat mich, zugegeben, ziemlich fertig, aber wohlbehalten aufgenommen.

Zweiter Wandertag: Rotsteinpass → Säntis → Ebenalp

Am nächsten Morgen ging es über den Lisengrat zum Säntis. Der Lisengrat wurde 2010/2011 ebenfalls erneuert und mit viel Eisen abgesichert. Er ist trotzdem gefährlich, aber spektakulär. Beim Alten Säntis gab’s dann erst Mal eine Kaffeepause, um dann gestärkt den Weiterweg über die Himmelsleiter zu finden. Keine Ahnung wie ich das geschafft habe… Irgendwo ist irgendeine Türe markiert und irgendeine Treppe führt zu irgendeinem Tunnel… Vielleicht gibt es auch einen offensichtlichen Weg… Jedenfalls geht es beim Tunnel dann gleich die Himmelsleiter runter und ja es ist eine Leiter mit ziemlich viel Gegenverkehr (der Aufstieg von der Schwägalp führt über die Himmelsleiter). Unten angekommen zweigt man Richtung Ebenalp ab und lässt die Meute hinter sich. Der Weg führt über den Blau Schnee (ein Gletscherüberbleibsel) und Schneefelder zur Rossegg. Anfangs Sommer lag da noch reichlich Schnee, aber der Weg war gut gespurt und einfach zu finden (zum Glück hatte es keinen Nebel). Der Weiterweg ist dann relativ einfach zu finden und führt vorbei am Öhrlikopf zum Lötzlialpsattel. Allerdings geht man viel über Geröll und das macht einfach nur bedingt Spass.

Ab dem Lötzlialpsattel wird es nochmals mulmig, denn es geht ziemlich steil runter, so dass stolpern nicht wirklich drin liegt. Bis zum Schäfler bleibt das auch so und es gibt ein, zwei Stellen, die etwas ausgesetzt sind. Aber das scheint einige Instagramler nicht weiter zu stören, die machen das locker mit ausgelatschten Halbschuhen. Beim Schäfler hat man sich nun eine weitere Pause verdient und die Aussicht – nicht nur das Bier – sollte man sich in Ruhe zu Gemüte führen. Immerhin ist man auch wieder vier Stunden gewandert. Vom Schäfler zur Ebenalp ist es dann nur noch eine halbe Stunde.

Wo ist der entspannte Teil? Bei jeder Einkehrmöglichkeit und es gibt wunderbare Orte zum Verweilen, um den Alpstein oder die Aussicht bei einer Pause zu geniessen. Die Wanderung ist aber sicher kein Spaziergang.

Tipp: Wenn Schnee liegt oder es regnet, sollte man eher etwas anderes machen. Ebenso wenn man Höhenangst hat oder nicht trittsicher ist. Der Weg von der Ebenalp zum Säntis ist eine beliebte Wanderung, die am Wochenende entsprechend viele Wanderer anlockt. Unterhalb der Ebenalp ist das Bergrestaurant Äscher. Wer es unbedingt nicht sein lassen kann.

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