Abenstimmung bei der Wildstrubelhütte

Von der Wildhornhütte übers Schnidejoch zur Wildstrubelhütte und zu den Simmefäll

by Moritz

Abwechslungsreiche Mehrtagestour in den Alpen mit traumhafter Aussicht, Bergseeleni, Quellen, Pässe, Menschheitsgeschichte, Hochebenen und Kühen. Erfahrung und Ausdauer sollte man dabei haben, damit es auch lustig wird.

Iffigenalp – Iffigensee – Wildhornhütte

2 h 30 min, 6 km, 770 m ↑, 60 m ↓

Wildhornhütte – Schnidejoch – Plan de Roses – Rawilpass – Wildstrubelhütte

5 h, 10,5 km, 1 150 m ↑, 665 m ↓

Wildstrubelhütte – Rawilseeleni – Tierbergsattel – Rezligletscherseeli – Flueseeli – Bi de sibe Brünne – Simmefäll – Lenk, Simmefälle

4 h 45 min, 12,3 km, 330 m ↑, 2 000 m ↓

Erster Wandertag: Iffigenalp → Wildhornhütte

Ich bin mit dem Postauto, das nur ab und zu fährt, zur Iffigenalp. Natürlich könnte man das auch wandern, aber es lagen drei Wandertage vor mir, also wollte ich nichts zu überstürzen. Von der Iffigenalp geht es gemütlich auf dem Bergwanderweg Richtung Wildhornhütte.

Ich hatte eigentlich im Sinn, über den Hohberg und das Iffighore zur Hütte zu wandern. Dort sollen sich Edelweisse sehr wohl fühlen. Darum bin ich eigentlich auch so früh aus dem Haus. Das Wetter war aber nicht besonders und der Weg war bereits ziemlich rutschig. Zudem traf ich noch eine Wanderin mit dem gleichen Tagesziel und so sind wir zu zweit auf dem direkten Weg zur Wildhornhütte. Das Edelweiss gehe ich sicher ein andermal dort noch suchen.

Der Weg an sich ist wenig anspruchsvoll, der Nebel und Nieselregen machten die Wanderung dennoch zu einem Abenteuer. Beim Iffigensee gab es eine kurze Pause, aber wirklich geniessen konnte ich das Seeli leider nicht. Das Wetter war dafür etwas gar unfreundlich.

Die Hütte tauchte so nach zweieinhalb Stunden langsam aus dem Nebel auf und ich freute mich auf ein warmes Getränk und verbrachte die restliche Zeit mit Lesen und Büsi streicheln.

Zweiter Wandertag: Wildhornhütte → Wildstrubelhütte

Es gab Gruppen, die das Wildhorn besteigen wollten und die sind schon im Dunkeln los. Ich bin gemütlich so um acht Uhr gestartet. Es reichte ja für mich, wenn ich pünktlich zum Abendessen auf der Wildstrubelhütte eintreffen würde.

Der Aufstieg zum Schnidejoch ist so gleich nach dem Frühstück happig. Es sind gut 500 Höhenmeter zu bewältigen und das auf knapp zwei Kilometer. Es war auch noch ungemütlich kalt. Gut immerhin ist man auf dem Schnidejoch über 2 700 m ü. M. Kurz vor dem Schnidejoch kommt man denn auch zum Tungelgletscher, der immer wieder einmal steinzeitliche Überbleibsel hervorgibt. Ich hatte noch das Glück und habe einige Schneehühner beobachten können. Also, die sind davon geflattert und ich hatte knapp Zeit überhaupt zu überlegen, was für Vögel das sein könnten.

Beim Schnidejoch kommt man ins Wallis. Man wandert oberhalb des Lac de Téné, durchquert ein Karstgebiet und kommt so in die Plan des Roses. Das Karstfeld ist etwas mühsam. Ein Karstfeld halt. Der Weg wird nun dafür wieder gemütlicher. Im September war natürlich nicht mehr soviel mit Rosen oder Blumen generell, dennoch ist es eine wunderbare Hochebene, die man entspannt durchwandern kann.

Beim Rawilpass angekommen traf ich auf Eringerkühe, die gemütlich ihr eigenes Ding machten. Ich selbst habe doch einen eher gehobenen Respekt von solchen Viechern, so dass ich am Pass auf eine Pause verzichtete und diese etwas später vor dem letzten Aufstieg zur Wildstrubelhütte nachholte.

Eine Pause sollte man unbedingt einlegen. Erstens bietet sich die Hochebene und der Rawilpass dafür einfach an und zweitens ist der Aufstieg vom Pass zur Hütte nicht ohne. Immerhin sind wieder 400 Höhenmeter fällig, wobei man 250 Meter auf kurzen 850 Meter macht.

Der Weg zur Hütte ist eigentlich nur Geröll und Schutt. Es ist also immer etwas rutschig, aber kaum gefährlich. Auf über 2 500 m ü. M. empfand ich es dennoch als anstrengend, besonders da der Weg sehr steil ist. Auf der Hütte angekommen gab es das verdiente Bier und als Belohnung einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Dritter Wandertag: Wildstrubelhütte → Lenk

Am nächsten Morgen ging es wieder runter. Aber noch in der Schotterstrecke zweigt man rechts ab und wandert zu den Rawilseeleni, die man am Vortag von oben gesehen hat. Die Seeleni umrundet man und obschon man auf dem absteigenden Teil der Wanderung ist, geht es zum Tierbergsattel wieder nach oben. Gut, es sind nur 200 Höhenmeter, aber trotzdem. Ich war froh, als ich auf dem Sattel war und in den ersten Sonnenstrahlen etwas warmen Tee trinken konnte.

Der Wanderweg vom Sattel runter ist um einiges gemütlicher und man durchwandert eine schöne Hochebene, den Tierberg, logisch.

Vor dem Rezligletscherseeli wird der Bergwanderweg wieder etwas felsiger und es gibt ein paar Stellen, wo man die Hände brauchen darf. Es war bis jetzt eine sehr abwechslungsreiche Wanderung und es geht so weiter. Der Abstieg zum Flueseeli ist zwar steil, dafür hat man einen wunderbaren Ausblick durchs Simmental bis ins Freiburgerland. Das Flueseeli ist ein wunderbarer Pausenort. Und bevor es nochmals 600 Höhenmeter steil durch die Wand runter nach «Bi de sibe Brünne» geht, machte ich dort gerne eine Pause.

Das folgende Teilstück dieser Wanderung ist für Menschen mit Höhenangst wohl eine Herausforderung. Es gibt ein paar Stellen, da hat man eine ziemlich steile Sicht nach unten und das Wegli wird dann – zumindest gefühlt – sehr schmal. Der Weg selbst finde ich allerdings sehr schön und spannend. Je tiefer man kommt und so flacher wird der Weg wieder. Ich wurde zum Glück durch meine Tischnachbarn am Abend zuvor vorgewarnt. Die ältere Dame hat diese Wanderung bergauf gemacht. Mal schlappe 2 000 Höhenmeter, pas mal.

Einen Abstecher zu «Bi de sibe Brünne» sollte man unbedingt einlegen. Es ist ein beliebter Ausflugspunkt, der gerne von Familien für einen Tagesausflug genutzt wird. Siebenbrünnen ist die Quelle der Simme und entspringt einfach so aus dem Fels. Irgendwie etwas surreal, wenn man vorher noch 800 Meter oberhalb dieser Quelle war.

Ab hier folgt die Wanderung lose der Simme durch Wiesen und Wälder. Nach einer halben Stunde erreicht man die Simmenfäll und wer nicht aufpasst, bekommt die Temperatur der Simme zu spüren.

Ab hier ist es ein gemütliches Auswandern und wenn das Postauto noch nicht gerade fährt, gibt es natürlich eine Terrasse und ein frisch gezapftes Bier.

Tipp: Der Abstieg ins Simmental ist anspruchsvoll, eine Variante ist der Abstieg über die Iffigenalp.

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